LVII
Allnächtlich im Traume seh’ ich dich,
Und sehe dich freundlich grüßen,
Und lautaufweinend stürz’ ich mich
Zu deinen süßen Füßen.
Du siehst mich an wehmüthiglich,
Und schüttelst das blonde Köpfchen;
Aus deinen Augen schleichen sich
Die Perlenthränentröpfchen.
Du sagst mir heimlich ein leises Wort,
Und giebst mir den Strauß von Zypressen.
Ich wache auf, und der Strauß ist fort,
Und’s Wort hab’ ich vergessen.
XLVII.
Es leuchtet meine Liebe,
Wie’n Mährchen traurig und trübe,
Erzählt in der Sommernacht.
Im Zaubergarten wallen
Zwei Buhlen, stumm und allein;
Es singen die Nachtigallen,
Es flimmert der Mondenschein.
Die Jungfrau steht still wie ein Bildniß,
Der Ritter vor ihr kniet.
Da kommt der Riese der Wildniß,
Die bange Jungfrau flieht.
Der Ritter sinkt blutend zur Erde,
Es stolpert der Riese nach Haus;
Wenn ich begraben werde,
Dann ist das Mährchen aus.